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09 September 2019

Bessere Chancen für Mütter mit Kindern - Ein besonderes Kooperationsprojekt zum Deutschlernen

Vater lernt fleissig Deutsch, macht den Integrationskurs, besteht die Prüfungen und findet Arbeit. So sieht momentan der Regelfall in vielen Remagener Flüchtlingsfamilien aus Sicht der Männer aus. Für die Frauen aber stellt sich das ganz anders dar. „Ich möchte so gerne Deutsch lernen.“ sagt Asmarina (alle Namen geändert) aus Eritrea. Ihr Mann Dawit bringt morgens die ältere Tochter noch zur Kita, dann kann er sich nicht mehr um die Kinder kümmern, da er bis zum Abend arbeitet. Also kümmert sich Asmarina um Haushalt und Baby, nachmittags um beide Kinder. Gelegenheit zur Kursteilnahme? Fehlanzeige. 



Deutschkurse, die speziell auf die Belange von jungen Müttern wie Asmarina zugeschnitten waren, gab es bisher im Kreis kaum. Das ist jetzt entscheidend anders. In der Schatzkammer Oberwinter hat am 21. August der erste Deutschkurs für geflüchtete Mütter mit Kleinkindern begonnen.

Die intensive Kooperation vom Verein Schatzkammer Oberwinter e.V., der Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler, der Kreisvolkshochschule Ahrweiler e.V. (KVHS), dem Deutschen Kinderschutzbund und der Ökumenische Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. (ÖFH) machte dies möglich.

Schon im ersten Halbjahr 2019 konnten die ÖFH und der Deutsche Kinderschutzbund positive Erfahrungen mit dem Projekt „Integratives Kochen“sammeln. Frauen aus verschiedenen Nationen trafen sich mit Babys und Kleinkindern, kochten gemeinsam in der Schatzkammer und lernten zusammen erste wichtige deutsche Worte und Redewendungen. Und da Eritreerinnen die Sprache Tigrinya, Gambierinnen Mandinka und Syrerinnen Arabisch sprechen, blieb als gemeinsame Sprache nur Deutsch übrig. Die Kursleiterinnen Annette Predeek und Marjam Beyg waren begeistert von der Lebendigkeit der Kommunikation, der Lernbereitschaft und der Vielfalt der Kochrezepte aus den jeweiligen Heimatländern der Frauen.

„Die Schatzkammer ist ideal für solche Mutter-Kind-Kurse.“ so da einhellige Urteil der beiden Leiterinnen. Es gibt ausreichend Raum für ungestörtes Lernen, die Krabbelkinder haben Platz zum Spielen, die Babys können in Nebenräumen in Ruhe schlafen und Mütter, die noch stillen, können sich problemlos zurückziehen. „Immer, wenn ich die Gruppe besuchte, herrschte eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre“, fand Gabriele Fischer-Wilms, die von Seiten der Schatzkammer das Projekt betreute.

Mit diesen positiven Erfahrungen im Hintergrund entstand das innovative Konzept für den Deutschkurs der Kreisvolkshochschule Ahrweiler e.V. (KVHS) in den Räumen der Schatzkammer. Auch für die Dozentin Anzhelika Petri ist ein solcher Kurs Neuland und eine große Herausforderung. „Die Ernsthaftigkeit, mit der die Frauen in diesem Kurs arbeiten und lernen, beeindruckt mich sehr,“ ist ihr Fazit der ersten Kursstunden. Vierzehn Frauen aus der Stadt Remagen nehmen am Kurs teil. Eine Fortführung ist bereits ins Auge gefasst.

Natürlich ließ es sich Siglinde Hornbach-Beckers, Leiterin des Fachbereichs II - Jugend, Soziales und Gesundheit - in der Kreisverwaltung Ahrweiler, nicht nehmen, eines der ersten Kurstreffen zu besuchen. Zufrieden stellt sie fest: „Da haben sich unsere Bemühungen in der Arbeitsgemeinschaft Migration aber wirklich gelohnt.“

Viele Köche verderben angeblich den Brei, so das Sprichwort. Diesmal ist es anders: Das Projekt „Deutschkurs für Mütter mit Kleinkindern“ wäre überhaupt nicht zustandekommen, wenn nicht die vielen „Köche“ als Initiatoren und Realisierer zusammengewirkt hätten.

Und so haben die vielen Köche etwas auf die Beine gestellt, das modellhaft sein kann für weitere Mutter-Kind-Kurse.

 

Letzte Änderung am Montag, 09 September 2019 08:59

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